Grundlagen der thermischen Lasten in elektrischen Gehäusen
Berechnung der inneren Wärmeerzeugung durch Leistungskomponenten
Die Schaltschränke, die wir installieren, neigen dazu, aufgrund der vielen arbeitenden Leistungskomponenten innen ziemlich heiß zu werden. Nehmen Sie beispielsweise Transformatoren, Frequenzumrichter (VFDs) und Schaltanlagen – diese Geräte verlieren typischerweise etwa 3 bis 8 Prozent ihrer Eingangsleistung als Abwärme während des Betriebs. Stellen Sie sich nur einen üblichen 500-kVA-Transformator vor – er könnte etwa 15 Kilowatt an Wärmeenergie abgeben. Laut den Standards der IEC 60076-2023 halbiert sich die Lebensdauer von Geräten praktisch, wenn sie um nur 10 Grad Celsius über ihrer vorgesehenen Betriebstemperatur laufen. Daher sind genaue Berechnungen der thermischen Belastung für eine ordnungsgemäße Systemplanung unerlässlich. Bei der Ermittlung der innerhalb dieser Gehäuse entstehenden Wärmemengen betrachten Techniker in der Regel die Angaben zur Leistungsaufnahme der Komponenten, berücksichtigen die Einschaltdauer der einzelnen Teile und ziehen zusätzlich die vom Hersteller bereitgestellten Wirkungsgradkennlinien heran.
Bewertung externer thermischer Einflüsse: Umgebungsbedingungen und solare Einstrahlung
Eine ganze Reihe äußerer Bedingungen verschärft die thermische Belastung noch zusätzlich. Die Sonne kann Gehäuse mit rund 150 Watt pro Quadratmeter zusätzlicher Wärme belasten, und sobald die Außentemperatur über 40 Grad Celsius steigt, verschlechtern sich natürliche Kühlprozesse erheblich – ihre Wirksamkeit sinkt um etwa 30 Prozent. Saisonale Schwankungen bedeuten, dass Ingenieure dynamisch statt mit veralteten statischen Modellen planen müssen. Dies ist vor allem in Fabriken trockener Regionen von Bedeutung, wo Maschinen tatsächlich 25 % mehr Kühlleistung benötigen als an Standorten mit gemäßigtem Klima. Durch eine gezielte Aufstellung der Geräte lässt sich direkte Sonneneinstrahlung reduzieren und die lokale Windrichtung besser nutzen, sodass Wärme quasi von selbst abgeführt wird – ohne aufwendige Kühlsysteme.
Auswahl wirksamer Wärmeabfuhrmethoden für elektrische Schaltschränke
Passive Lösungen: Kühlkörper, thermische Schnittstellenmaterialien und Heatpipes
Passive Kühlung funktioniert, indem sie die natürlichen Heiz- und Kühlprozesse der Natur nutzt – das bedeutet, dass keinerlei externe Stromquelle benötigt wird. Wenn wir von Kühlkörpern aus Aluminium oder Kupfer sprechen, schaffen diese im Grunde mehr Oberfläche, über die Wärme durch Konvektion und Strahlung abgeführt werden kann. Gute Konstruktionen können die Gerätemperatur tatsächlich um etwa 15 bis sogar 20 Grad Celsius senken. Thermische Schnittstellenmaterialien (kurz TIMs, wie sie in der Branche genannt werden) füllen die winzigen Luftspalte zwischen Komponenten und ihren Kühlflächen aus. Dadurch verbessert sich der Wärmeübergang – manchmal bis zu fünfmal effizienter als bei reiner Luftkühlung. Wärmerohre sind ebenfalls äußerst wirkungsvoll: Sie nutzen das Prinzip, bei dem eine Flüssigkeit in Dampf übergeht und anschließend wieder kondensiert, wodurch Wärme äußerst effizient abtransportiert wird. Diese Rohre können etwa 90 Prozent mehr Wärme übertragen als eine gleich große Menge massiven Kupfers. Hersteller elektrischer Geräte schätzen diese passiven Kühlmethoden sehr, da sie meist über ein Jahrzehnt lang nahezu wartungsfrei betrieben werden können – zudem fallen keinerlei laufende Stromkosten an.
Optionen für aktive Kühlung: Gefilterte Lüfter, Luft-Luft-Wärmetauscher und Gehäuse-Klimageräte
Aktive Kühlsysteme schalten sich ein, wenn Umweltfaktoren über das hinausgehen, was als sicher gilt, oder wenn die interne Wärmeentwicklung höher ist, als passive Methoden bewältigen können. Lüfter mit NEMA-4-Zertifizierung halten Staub fern und fördern etwa 300 Kubikfuß Luft pro Minute, was sich gut für Situationen mit durchschnittlichem Wärmebedarf eignet. Die Luft-Luft-Wärmetauscher bilden eine Barriere zwischen Innen- und Außenluft, die den IP54-Normen entspricht, und diese Geräte können über Leitung etwa 2 bis 3 Kilowatt überschüssige Wärme abführen. Für besonders anspruchsvolle Einsatzorte wie Freiluft-Umspannwerke oder Gebäude in Wüstenklimazonen werden spezielle Klimageräte für Schaltschränke benötigt, um trotz Wärmelasten von mehr als 5 Kilowatt eine konstante Temperatur von 25 Grad Celsius zu gewährleisten. Gezwungene Lüftungssysteme senken die Temperaturen an Hotspots manchmal um rund 35 Grad Celsius deutlich ab, verursachen jedoch höhere Kosten, da sie im Allgemeinen etwa 15 Prozent mehr Energie benötigen als entsprechend optimierte passive Systeme.
Gestaltung für optimale Luftzirkulation und Komponentenanordnung in elektrischen Schaltschränken
Strategische Platzierung zur Vermeidung von Hotspots und zur Sicherstellung natürlicher Konvektionswege
Die Art und Weise, wie Komponenten angeordnet sind, spielt eine große Rolle bei der thermischen Konstruktion. Bei der Platzierung von bauteilen mit hoher Wärmeabgabe, wie z. B. Frequenzumrichtern (VFDs), ist es sinnvoll, diese nahe Bereichen mit guter Luftzirkulation anzubringen. Diese heißen Stellen müssen jedoch von empfindlichen Geräten ferngehalten werden. Warum? Weil elektromagnetische Störungen Probleme verursachen können, und Studien zeigen, dass sie für mehr als ein Drittel aller thermisch bedingten Ausfälle verantwortlich sind. Lassen Sie mindestens 20 % Freiraum um jedes wärmeentwickelnde Bauteil, damit die Luft auf natürliche Weise nach oben strömen kann. Stellen Sie sich das wie einen Kamineffekt vor, bei dem kühle Luft von selbst nach oben gezogen wird, ohne dass Ventilatoren oder Pumpen arbeiten müssen. Dieser einfache Trick kann die Innentemperatur tatsächlich um etwa 15 Grad Celsius senken. Auch die richtige Abstandsgestaltung ist wichtig, da blockierte Luftströmungen Hotspots erzeugen, die niemand möchte, wenn das gesamte System reibungslos laufen soll.
CFD-gestützte Gehäusebelüftung und Hindernisverwaltung
Der Einsatz von Simulationen zur numerischen Strömungsmechanik (CFD) kann schwerwiegende thermische Probleme lange vor der tatsächlichen Fertigung aufdecken. Wenn Ingenieure modellieren, wie Luft durch Geräte strömt, Druckänderungen an Oberflächen verfolgen und Bereiche identifizieren, in denen Bauteile überhitzen könnten, entdecken sie zahlreiche Probleme, die sonst niemand bemerken würde. Beispielsweise erzeugt eine ungünstige Positionierung von Lüftungsöffnungen Turbulenzen statt eines gleichmäßigen Luftstroms, während bestimmte Stellen zu Hotspots werden, weil dort überhaupt keine Luft ankommt. Untersuchungen mehrerer Ingenieurbüros zeigen, dass Produkte, deren Gehäuse mithilfe von CFD-Verfahren optimiert wurden, Wärme etwa 40 Prozent effektiver abgeben als bei Standardkonstruktionen. Einige praktische Tipps, um das Beste aus einer CFD-Analyse herauszuholen, bestehen darin, Lüftungsöffnungen unter dem optimalen Winkel anzuordnen, um gleichmäßige Luftströmungsmuster zu fördern, elektrische Leitungen von den Hauptlüftungskanälen fernzuhalten und dafür zu sorgen, dass Abluftöffnungen deutlich größer sind als Einlassöffnungen – üblicherweise zwischen 20 und 30 Prozent größer, um natürliche Konvektionsströme optimal zu erzeugen. Die Durchführung solcher Simulationen früh im Entwicklungsprozess spart später Kosten, da aufwendige Nachkonstruktionen vermieden werden; außerdem wird sichergestellt, dass alle Komponenten innerhalb sicherer Temperaturbereiche bleiben und gleichzeitig allen strukturellen sowie umweltbezogenen Sicherheitsanforderungen genügt wird, denen Hersteller folgen müssen.
Umweltschutz und thermische Leistung bei elektrischen Gehäusen in Einklang bringen
Für Ingenieure, die an Industrieanlagen arbeiten, besteht bei Gehäusen stets ein Ausgleich zwischen verschiedenen Anforderungen. Diese müssen strengen Umweltvorgaben wie IP66- oder NEMA-4X-Bewertungen genügen, gleichzeitig aber ausreichend Wärme abführen, damit keine Überhitzung auftritt. Ein guter Schutz vor Staub, Wasser und korrosiven Elementen ist für wichtige Systeme unbedingt erforderlich, daran besteht kein Zweifel. Werden jedoch die Dichtungen zu stark ausgeführt, bleibt die Wärme im Inneren eingeschlossen und beschleunigt so den Ausfall von Bauteilen. Nehmen wir als Beispiel Kompressionsdichtungen: Diese sind sehr effektiv beim Ausschluss von Schmutz und Feuchtigkeit, benötigen aber zusätzliche Maßnahmen zur Ableitung der entstehenden Wärme. In der Regel bedeutet dies, leitfähige Materialien in die Gehäusewände einzubauen oder im Design eine Art Wärmesenke vorzusehen. Andernfalls werden all diese Schutzmaßnahmen Teil des Problems statt dessen Lösung.
Lösungen zur Belüftung helfen, die Lücke zwischen dem Bedarf an Luftstrom und dem Schutz vor rauen Umgebungsbedingungen zu schließen. Lamellenlüftungen mit Partikelfiltern arbeiten effektiv zusammen mit nach NEMA klassifizierten Ventilatoren, um den Luftaustausch sicherzustellen und gleichzeitig die Ausrüstung während Reinigungsarbeiten vor Staub, Korrosion und Wasser geschützt zu halten. Für die thermische Steuerung gibt es mehrere Ansätze, die in Betracht gezogen werden sollten. Wärmeleitmaterialien verbessern den Wärmeübergang von heißen Bauteilen auf die Gehäusewände. Isolierung kann zudem gezielt eingesetzt werden, um empfindliche Komponenten vor Temperaturschwankungen im Außenbereich zu schützen. Diese Methoden gewinnen besonders an Bedeutung in bestimmten Standorten. Küstenregionen mit hoher Luftfeuchtigkeit profitieren stark von Antikondensheizungen, die Feuchteschäden verhindern. Ebenso benötigt Ausrüstung, die direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, entweder reflektierende Beschichtungen oder Schatteneinrichtungen, um eine Überhitzung zu reduzieren. Bei Betrachtung der IP- und NEMA-Schutzarten zeigt sich deutlich, dass Umweltschutz und thermisches Management keine getrennten Aspekte darstellen. Vielmehr sind sie voneinander abhängig, um langfristig einen zuverlässigen Betrieb in Stromverteilungssystemen sicherzustellen.
FAQ
Was ist thermische Belastung in elektrischen Gehäusen?
Die thermische Belastung bezeichnet die Menge an Wärmeenergie, die innerhalb elektrischer Gehäuse entsteht, hauptsächlich durch interne Wärmeerzeugung von Leistungskomponenten wie Transformatoren, Frequenzumrichtern und Schaltanlagen sowie durch externe Einflüsse wie Umgebungstemperatur und solare Einstrahlung.
Worin unterscheiden sich passive und aktive Kühlmethoden für elektrische Gehäuse?
Passive Kühlung beruht auf natürlichen Prozessen und Materialien wie Kühlkörpern und Wärmerohren, während aktive Kühlung mechanische Systeme wie gefilterte Lüfter und Gehäuseklimageräte einsetzt, um überschüssige Wärme abzuleiten.
Welche Rolle spielt CFD bei der Konstruktion elektrischer Gehäuse?
Die numerische Strömungsmechanik (CFD) wird verwendet, um die Luftströmung innerhalb von Gehäusen zu simulieren und zu optimieren, wobei potenzielle Hotspots und Druckänderungen vor dem Fertigungsprozess identifiziert und behoben werden.
Warum ist das Gleichgewicht zwischen Umweltschutz und thermischer Leistung wichtig?
Die Abwägung dieser beiden Aspekte stellt sicher, dass elektrische Gehäuse den Umweltspezifikationen entsprechen und gleichzeitig eine Überhitzung verhindert wird, wodurch sie vor Staub, Wasser und Korrosion geschützt sind und dennoch eine ausreichende Wärmeabfuhr ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlagen der thermischen Lasten in elektrischen Gehäusen
- Auswahl wirksamer Wärmeabfuhrmethoden für elektrische Schaltschränke
- Gestaltung für optimale Luftzirkulation und Komponentenanordnung in elektrischen Schaltschränken
- Umweltschutz und thermische Leistung bei elektrischen Gehäusen in Einklang bringen
EN
AR
BG
HR
CS
DA
FR
DE
EL
HI
PL
PT
RU
ES
CA
TL
ID
SR
SK
SL
UK
VI
ET
HU
TH
MS
SW
GA
CY
HY
AZ
UR
BN
LO
MN
NE
MY
KK
UZ
KY